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Artikel Tagged ‘interkulturelle conversion’

Masterarbeit zum Thema: “Kulturelle Adaptierung von Webseiten-Inhalten und Design”

Am 29.03. habe ich meine Masterarbeit beendet!

Die Arbeit untersuchte die Auswirkungen einer kulturellen Adaptierung einer speziell zu diesem Zweck erstellten Webseite im Kulturraum Mexiko und Spanien. Das Thema “Kultur” und wie sich Kultur manifestiert wurde hierzu vorerst theoretisch behandelt.
Im Anschluß darauf, wurden kulturell anpassbare Elemente der Testwebseite festgelegt.
Entschieden wurde sich für eine Anpassung auf den drei Ebenen “kulturrelevante Symbole”, “Dialekt der statischen Webseitentexte”‘ und eine Anpassung von den “Nutzern generierten Inhalte”. Um mögliche Effekte auf die manipulierte Anpassungsebene zurückführen zu können, wurde jede Ebene einzeln gemessen. Zusätzlich hierzu wurde eine vierte Ebene eingeführt um zu messen, wie sich die Webseitenbesucher bei
einer Anpassung auf allen drei Ebenen gleichzeitig verhalten. Die konkreten Änderungen auf jeder Manipulationsebene wurden mit Hilfe von Umfragen und Muttersprachlern festgelegt. Um den Effekt der Anpassung zu messen wurden 6 abhängige Variablen bestimmt, die das Interesse eines Webseitenbesuchers wiederspiegeln sollten. Jede der vier Manipulationsebenen hatte drei Adaptionsstufen: Eine Version adaptiert auf die mexikanische Kultur, eine neutrale Version ohne kulturspezifische Stimuli und eine Version mit spanischer Adaptierung.
Während des Experiemnts gelangten insgesamt 1636 spanische und 6356 mexikanische Besucher auf die Testwebseite und interagierten mit ihr. Hierbei entschied ein Zufallsgenerator darüber welche von den vier Manipulationsebenen (Symbole, Dialekt der statischen Texte, etc.)
und welche Adaptionsstufe (mexianische Adaptierung, Neutral, spanische Adaptierung) gezeigt wurde. Das Verhalten der Besucher wurde dann vom Anfang bis zum Ende des Besuchs festgehalten.


Die Masterarbeit lässt sich unter folgendem Link herunterladen:
Masterarbeit: Kulturelle Adaptierung von Webseiten-Inhalten und Design


Die Ergebnisse der Umfrage zu kulturrelevanten Symbolen verschiedener spanischsprachiger Länder gibt es hier:
Nationalsymbole lateinamerikanischer Länder

Interkulturelle Conversion, Geert Hofstede und seine Kulturdimensionen -Teil 5: Unsicherheitsvermeidung

uncertainty principle
Attribution-NonCommercial-NoDerivs License by Mathieu Struck

Unsicherheitsvermeidung lässt sich definieren als der Grad, bis zu dem die Mitglieder einer Kultur sich durch uneindeutige oder unbekannte Situationen bedroht fühlen

Die Dimension Unsicherheitsvermeidung beschreibt auf welche Art Menschen mit Ungewissheiten und Unbekannten umgehen. Kulturen zeigen unterschiedliche Verhaltensweisen um Ungewisstheit zu verweiden und haben ihre eigenen Rituale und Werte um mit Pünktlichkeit, Förmlichkeit, sozial-religiösen Angelegenheiten und mit Toleranz gegenüber Unklarem umzugehen.

Hofstede führt an, dass Kulturen mit einer hohen Ausprägung von Unsicherheitsvermeidung eine höhere Suizidrate aufweisen, mehr Alkoholiker, Unfalltote und Gefängnissinsassen haben. Firmen und Organisationen haben formalere Regeln und fokussieren auf taktische Operationen statt auf Strategisches Vorgehen. Kulturen mit hoher Unsicherheitsvermeidung tendieren dazu sehr expressiv zu sein: Sie reden mit ihren Händen, erheben ihre Stimme und zeigen Emotionen. Die Menschen scheinen aktiv, emotional oder gar aggresiv zu sein; vermeiden unklare Situationen und erwarten festgelegte Strukturen in Organisationen, Institutionen und in Beziehungen. Strukturen die ihnen helfen vorraussagbare und interpretierbare Aussagen über Events zu machen.

Dieser Post ist Teil einer Artikelserie über “Intercultural Conversion”. In dieser Serie soll die Frage gestellt werden, in welchem Maße sich kulturelle Prägung auf die Akzeptanz und die Conversionrate einer Webseite auswirkt und mit welchen Mitteln Webseiten an eine Zielkultur angepasst werden können.

Die einzelnen Teile finden sie unter folgenden Links:

Für Werbekampagnen in der Presse und im Fernsehn werden in Kulturen, die Unsicherheit vermeiden, häufig Experten herangezogen, wie z.B: Ärzte im weißen Kittel, die ein Produkt empfehlen. Werbung in Kulturen, die Unsicherheit akzeptieren, ist häufiger humorvoll ausgtestattet. Das was anders ist wird wird in High-UV Kulturen als Bedrohung angesehen und was “schmutzig”(unkonventionell) wird oft mit etwas gefährlichem gleichgestellt.

Im Gegensatz dazu tendieren Low-UV Kulturen zu einem höheren Kaffeekonsum, haben eine höhere Herzinfarktrate und mehr chronische Psychosen. Firmen fokussieren eher auf Langzeitstrategien als auf operatives Vorgehen. Diese Kulturen sind weniger expressiv und zeigen Furcht weniger offen; Die Menschen verhalten sich ruhiger ohne Aggressionen oder starke Gefühle zu zeigen; es scheint sie wären easy-going und entspannt. Was anders ist wird von diesen Kulturen eher als ausgefallen angesehen.

Ausprägung von Unsicherheitsvermeidung in verschiedenen Kulturen

Mit hohen Punktwerten schneiden latainamerikanische, romanische und Mittelmeerländer ab. Auch Japan und Südkorea haben höhere Werte. Eher mittlere Werte haben deutschsprachige Länder wie wie Österreich, Deutschland und die Schweiz. Mittlere bsi niedrige Werte gibt es für fast alle asiatischen Länder (außer Korea und Japan), für afrikanische Länder, sowie englischsprachige und nordische Länder und den Niederlanden. Westdeutschland erreicht 65 Punkte, Großbritannien 35 welches einen Unterschied zwischen diesen beiden Ländern deutlich macht obwohl sie sonst sehr ähnlich sind.

Unsicherheitsvermeidung – Umsetzung auf Webseiten

Einen Überblick darüber, welche Publikationen zum Thema “interkulturelles Webdesign” erschienen sind bietet der Post “Interkulturelles Web Design und Usability – Der Status Quo“. Im Folgenden wird beispielhaft beschrieben welchen Ansatz Aaron Marcus gewählt hat.
Hohe Unsicherheitsvermeidung niedrige Unsicherheitsvermeidung
Einfachheit, klare Metaphern, limitierte Auswahl und begrenztes Datenvolumen Komplexität mit viel Inhalten und Optionen
Versuche Vorraussagen und Vorschläge zu machen über die Folgen von Aktionen, bevor der Nutzer handelt Akzeptanz und Ermuterung zur Erkundung und Risiko
Navigationslösungen die verhindern, dass sich der Nutzer auf der Seite verirrt Navigation mit weniger Kontrolle, z.B. Links die ein neues Fenster öffnen, welches von der Ursprungsseite wegführt
Mentale Modelle und Hilfesysteme die versuchen Nutzerfehler zu vermeiden Mentale Modelle und Hilfesysteme die Helfen die grundlegenden Konzepte des Aufbaus der Seite und des “Großen und Ganzen” zu verstehen
Farben, Wording und Audio um Hinweis (redundante Hinweise) zu geben und Doppeldeutigkeiten zu vermeiden Verwendung von Farbe, Wording und Audio um Informationsgehalt zu maximieren (keine redundaten Informationen)

Maskulinität und Conversion

Folgt

Interkulturelle Conversion, Geert Hofstede und seine Kulturdimensionen – Teil 3: Individualismus

The rain in the crowd
Attribution-NonCommercial-ShareAlike License by Carlo Nicora (Wedding and Honeymoon)

Der zweite von Geert Hofstede identifizierte Faktor zur Klassifizierung einer Kultur heißt Individualismus und ist folgendermaßen definiert:

Individualismus beschreibt Gesellschaften, in denen Bindungen zwischen den Individuen locker sind; man erwartet von jedem, dass er für sich selbst und für seine unmittelbare Familie sorgt. Sein Gegenstück, der Kollektivismus, beschreibt Gesellschaften, in denen der Mensch von Geburt an in starke, geschlossene Wir-Gruppen integriert ist, die ihn ein Leben lang schützen und dafür bedingungslose Loyalität verlangen.

Wie aus obiger Definition hervorgeht, spielt die Gruppe, in die ein Kind aus einer kollektivistischen Kultur (KK) hineingeboren wird, eine sehr große Rolle.
Kinder aus einer KK lernen von Anfang an in der “Wir”-Form zu denken. Für sie haben die Interessen der sozialen Gruppe Vorrang vor den eigenen. Meinungen werden durch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe von der Gruppe vorbestimmt. In individualistischen Kulturen (IK) wird Individualität gefördert: Die Kinder aus IK lernen schnell auf eigenen Beinen zu stehen, sich selbst von der Außenwelt abzugrenzen und sich als “Ich” zu begreifen. Sie entwickeln ihre eigene Meinung und geben diese kund.

Dieser Post ist Teil einer Artikelserie über “Intercultural Conversion”. In dieser Serie soll die Frage gestellt werden, in welchem Maße sich kulturelle Prägung auf die Akzeptanz und die Conversionrate einer Webseite auswirkt und mit welchen Mitteln Webseiten an eine Zielkultur angepasst werden können.

Die einzelnen Teile finden sie unter folgenden Links:

Die Gruppe in KK hat auch Einfluss auf Beziehungen zu anderen Menschen. Selbst Freundschaften zu schließen ist nicht wirklich nötig, da welche Freunde man hat oft dsurch die Großfamilie vorbestimmt wird. In IK ist es den Kindern freigestellt mit wem sie Beziehungen eingehen, wie wählen frei nach persönlichen Interessen und Vorzügen. Das gleiche Muster findet sich im späteren Leben, wenn es zum Beispiel um die Anbahnung von Geschäftskontakten geht: In IK werden Geschäfte mit einer Firma gemacht, in KK mit einer Person, die man kennengelernt hat und zu der man Vertrauen gefasst hat.

Ausprägung von Individualismus und Kollektivismus

Kollektivismus ist in unserer Welt die Regel, Individualismus eher die Ausnahme. Angeführt wird die Liste durch die USA, Australien, Großbritannien und Kanada. Diese Länder haben einen hohen Punktwert für Individualismus. Die mittleren Plätze, jedoch auch mit eher niedrigen Werten für Individualismus, bilden arabischsprachige Länder. Die niedrigsten Punktzahlen erhalten Länder aus Südamerika und Asien wie z.B. Guatemala, Ecuador, Indonesien, Venezuela und Panama.

Individualismus – Umsetzung auf Webseiten

Einen Überblick darüber, welche Publikationen zum Thema “interkulturelles Webdesign” erschienen sind bietet der Post “Interkulturelles Web Design und Usability – Der Status Quo“. Im Folgenden wird beispielhaft beschrieben welchen Ansatz Aaron Marcus gewählt hat.

Marcus hat in seiner Ausführung über “Cultural Dimensions and Global Web Design” vorgeschlagen, wie sich die von Hofstede gefundenen Kulturdimensionen als Grundlage verwenden lassen um die Usability von interkulturellen Webseiten zu erhöhen.

Für den Faktor Individualimus/Kollektivismus schlägt Marcus vor, dass dieser Einfluß auf folgende Askekte des User-Interfaces und des Designs hat:

Faktor Individualismus Kollektivismus
Motivation persönliche Ziele zu erreichen hoch eher niedrig, da Gruppenziele im Vordergrund stehen
Symbole des Erfolgs Ausgedrückt durch materielle Güter und Konsumdenken Ausgedrückt durch Erreichung von sozial-politischen Errungenschaften
Rhetorischer Stil kontroverse und argumentative Sprache und Toleranz
gegenüber kontroversen Behauptungen
offizielle und förmliche Slogans & keine, wenig Toleranz gegenüber kontroversen Themen und Übertreibungen, die sich von der allgemeinen Meinung unterscheiden
Hervorhebung von Jugend und Aktivität Hervorhebung von älteren, erfahrenen und weisen Führungspersonen und Werten
Hervorhebung des Individuum Hervorhebung der Gruppe
Moralisches Wertesystem Betonung von Fakten und Wahrheiten Betonung von Beziehungen zwischen Menschen und Aufrechterhalten dieser Beziehungen
Umgang mit Veränderung Betonung auf Neuem und Einzigartigem Betonung von Traditionen und Geschichte
Umgang mit persönlichen Daten Bereitschaft persönliche Daten preiszugeben Bewahrung persönlicher Daten um sich nicht von der Gruppe abzuheben

Individualismus und Conversion

-todo